Elektrische Winsch, Navionics und ein verdorbener Segeltörn

Und wieder ist eine Woche mit ca. 20 Schiffsübergaben an enthusiastische Charter Skipper vergangen.

Solche Tage an der Charterbasis können sehr hektisch sein, wenn man in kürzester Zeit die Schiffe übergeben muss, dabei soviel nützliche Informationen einbaut wie möglich und dem Skipper ein gutes Gefühl in dem Umgang mit der Yacht vermittelt. Ich versuche mindestens 40 Minuten mit jedem Skipper an Bord zu verbringen, um alle wichtigen technischen Aspekte anzusprechen.

Ausserdem erhält jeder Skipper ein Bordbuch in dem alle wichtigen technische Informationen wie, Lage der Sicherungen, Batteriehauptschalter, Wassertankumstellschieber, Benutzung der Instrumente, Segel und Ankerwinde, etc, etc noch einmal während des Törns nachgelesen werden können. Dazu erhält jeder Kunde bei uns die Möglichkeit einen 40 Min. Check-In Film (www.sailvation.com) vor der Ankunft an der Basis, online anzusehen, so dass es den gesamten Ablauf am Übergabetag erleichtert, und das Verständnis von Skipper und Crew bereichert.

Man sollte meinen das all diese Vorbereitungen eine angemessene Methode ist, um den Skipper auf eine erfolgreiche Segelwoche vorzubereiten.

Diese Woche wurde meine Theorie leider widerlegt.

Wir hatten eine nette Gruppe von Amerikanern, die mit unserer Sun Odyssee 53, an einer organisierten Flottille mit 10 Schiffen teilnahmen. Ich hatte mir viel Zeit für die Herren genommen, mehr als gewöhnlich und eingehend die Benutzung der Yacht geschildert.

Besondere Aufmerksamkeit habe ich wie immer der Benutzung des Kartenplotters gewidmet anhand von Beispielen mit elektronisches Navigations Equipment, wie Navionics, um sicherzustellen dass die Kunden sich auf diese Art von Navigationsprogrammen nicht verlassen sollen, sondern in erster Linie, die Seekarten zu verwenden und den Kartenplotter als reinen Back Up benutzen.

Dieses ist absolute Voraussetzung für sicheres Navigieren.

Ein weiterer Punkt dem ich in meinem Check in grössere Aufmerksamkeit schenkte, war die Benutzung der elektrischen Wirsch im Cockpit, welche bei unsachgemässer Benutzung, Schäden am Rollgrosssystem, Segeln und Leinen herbeiführen kann.

Nichtsdestotrotz, der erste Anruf erreichte mich nachdem die Herren den Hafen verliessen, wo sie während des Ablegens erst einmal eine andere Yacht beschädigten.

Der zweite Anruf folgte wenige Stunden später, um 21:30 um mich davon zu informieren dass die Naht an dem Grossegel aufgeplatzt wäre.

Unsere Techniker machten sich auf den Weg zu den Kunden, in der 1.5 Stunden entfernten Marina, um festzustellen das die aufgeplatzte Naht ein Riss im Gross war, welches dieses in zwei teilte, und eindeutig aufgrund einer Fehlbenutzung der Elektrischen Winsch zurückzuführen war.

Egal, unsere Aufgabe besteht in solchen Fehlen nach wie vor darin, den Schaden zu beheben, so dass die Kunden mit ihrem Chartertörn fortfahren können, und sendeten das Segel zum Segelmacher, um es am nächsten Tag wieder anbringen zu können. Und so segelten sie am nächsten Morgen weiter…..

Diesmal kam der nächste Anruf 4 Stunden später…..Die Kunden benachrichtigten mich über eine Grundberührung. Nach Klärung ihrer GPS Position machte ich per Telefon sicher dass das Schiff kein Wasser nimmt und bat die Kunden langsam Richtung nächsten Hafen zu Motoren. Dort wartete dann auch schon ein Taucher um den Schaden zu inspizieren.

Nach studieren der Position auf der Seekarte, wo die Grundberührung stattgefunden hatte, stellte ich fest, dass die Kunden in eine Militärverbotszone eingefahren waren, welche eindeutig auf den Seekarten markiert ist, aber ausserdem, auf unerklärliche Art und Weise, dort auf die einzige Untiefe in der Gegend, welche mit einer grossen Boje markiert ist, aufgelaufen sind.

Dennoch wurden bei ihrer Ankunft im Hafen alle nötigen Kontrollen ausgeführt, über Wasser, unter Wasser, mit dem Resultat, dass der Schaden nicht gross genug war um den Charter abzubrechen. Und wir entschieden uns, die Kunden weiterfahren zu lasen und alles weitere bei Rückkehr an der Basis zu klären.

Eine zufriedene Gruppe von Seglern kehrte drei Tage später an die Basis zurück. Kaputtes Segel und den Gelcoat-Schaden an der angefahrenen Yacht ausser Acht lassend, bemüht ich mich zumindest die Grundberührung in einer gesperrten Militärzone noch einmal mit dem Skipper nachzuvollziehen.

Der Skipper zog stolz sein iPad (mit dem Navionics Program) hervor um mir den gespeicherten Track seines Segeltörns zu zeigen. Dann verweiste er auf die Koordinaten der Grundberührung welche bei Navionics mit 10 m Wassertiefe angegeben waren, ignorierte jedoch die Tatsache das auch dort Warnzeichen angegeben wurden, dieses Gebiet nicht zu besiegeln.

Die Diskussion endete schnell nachdem ich die, beim Übergabetag so hochgepriesene Seekarte auf den Tisch legte, um ihm die klare 1.8 Meter Markierung an der Stelle der Grundberührung zu zeigen.

Leider muss die Yacht aus dem Wasser genommen werden um weitere Kontrollen vorzunehmen und sicherzustellen, dass sie ohne Probleme und Risiko den Rest der Saison weiterlaufen kann.

Ein Unschönes Ende des Segeltörns für die Kunden und für die Basis, und ich wünschte das all die Einweisungen am ersten Tag ihren Sinn erfüllt hätten, anstatt von dem Skipper mehr oder weniger ignoriert zu werden.

Der Charterskipper sollte sich seiner Verantwortung im Klaren sein, Verantwortung für die Yacht und vor allem für die Sicherheit der Crew.

In all den Jahren meiner Chartertätigkeit habe ich viel Zeit verbracht um ein System zu finden, dass dem Charter Skipper alles wichtigen Punkte klar und verständlich macht, durch intensive Schiffsübergaben, technischen Handbüchern bis hin zu einem Check In Film.

Aber diese Woche hat mal wieder gezeigt dass es immer einen 20% Glücksfaktor gibt, abhängig von dem Skipper, Crew und vor allem, der Einstellung…

Happy Sailing

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